Wir lernen in jahrgangsgemischten Klassen

Zur Entstehung der Jahrgangsmischung an unserer Schule

Seit dem Schuljahr 2003/04 haben jahrgangsgemischte Klassen als Organisationsform für das Lernen ihren festen Platz bei uns an der Laurentiusschule. Viele positive Erfahrungen des Arbeitens in den jahrgangsgemischten Klassen und der Wunsch der Schulaufsicht nach einer einheitlichen Organisationsform für das Lernen an der gesamten Schule führten im Schuljahr 2014/15 dazu, dass das System des jahrgangsgemischten Lernens in den sogenannten Kombiklassen mit der Mischung der Jahrgänge 1 und 3 bzw. 2 und 4 auf die gesamte Schule ausgeweitet wurde.

Organisation des Lernens in Kombiklassen

Um die Chancen des Lernens im jahrgangsgemischten Unterricht der Jahrgänge 1/3 bzw. 2/4 aufzuzeigen, wird im Folgenden zunächst das Konzept organisatorisch vorgestellt.

Gemeinsame Lernwege

Kommen die Erstklässler in die Schule, treffen sie in ihrer Lerngruppe auf die Drittklässler. Die Drittklässler sind schon vertraut in der schulischen Umgebung. Sie kennen Regeln und Rituale des Schulalltags. Handlungsabläufe schulischen Lernens sind ihnen bekannt. So können sich die Erstklässler schnell an den Schulalltag gewöhnen und beim Lernen an den Großen orientieren. In vielen kleinen Dingen stehen ihnen die Drittklässler zur Seite und begleiten sie geduldig und freundlich durch die neue Schulumgebung. Beim Lernen sehen die Kleinen die Drittklässler als Vorbild an und übernehmen automatisch schulische Verhaltensweisen und Muster. Für die Lehrerin oder den Lehrer bedeutet dies, dass im Schulalltag wenig Zeit für die Erarbeitung und Einführung von Regeln und Ritualen abgezweigt werden muss. Das schulische Lernen kann sofort beginnen. Auch die Drittklässler erleben den Schulanfang mit den Erstklässlern als besonders wichtig für sich selbst. Stolz erkennen sie, was sie schon alles gelernt haben. Selbstbewusst erleben sie sich in der Rolle des Helfenden und Unterstützenden. Regeln und Rituale bekommen für sie eine neue Bedeutung. Motiviert schreiten sie in ihrem eigenen fachlichen Lernen fort!

Zum Lernen in der Jahrgangsmischung

Gemeinschaft über die Jahrgänge hinaus

Kommt ein Kind in den ersten Jahrgang einer Kombiklasse, so trifft es dort auf Kinder eines dritten Jahrgangs. Hier setzt sich die natürliche Altersmischung, die den Kindern aus dem Kindergarten bekannt ist, fort. Durch geschwisterähnliche Strukturen entsteht eine sozialkompetente Lerngemeinschaft. Gewachsene Sozialstrukturen aus außerschulischen Bereichen wie Kindergarten, Nachbarschaft und Freundeskreis werden aufgegriffen und fortgesetzt. Dies unterstützt und fördert besonders auch Einzelkinder.

Lernen schulischer Handlungsmuster

Die älteren Kinder kennen sich in der Lernumgebung bereits gut aus und können den jüngeren bei der Orientierung zur Seite stehen. Die jüngeren kommen in eine bestehende Gemeinschaft und in eine Lernumgebung mit Ritualen, Regeln und Lernabläufen. Sie bekommen hier schnell ein Gefühl der Sicherheit und Vertrautheit. Da sie sich schulische Handlungsmuster von den großen Kindern abschauen, haben diese Vorbildfunktion. Der Umgang mit Lernmaterialien und die Arbeit in offenen Arbeitsformen kann am Modell gelernt werden. Der Lernalltag kann mit einem hohen Maß an effektiver Lernzeit sofort beginnen.

Lernmotivation durch die Helferrolle

Die von den älteren Kindern praktizierte Helferrolle hat positive Auswirkungen auf ihr eigenes Lernen. Neben der erfahrenen Anerkennung der jüngeren Kinder und dem Lob der Lehrerin erkennen sie, was sie schon gelernt haben bzw. leisten können. Die so erfahrene Ich- bzw. Selbststärkung ist sowohl Selbstzweck als auch Motivation für das eigene Lernen.

Lernen im Sinne des Spiralcurriculums

Beim täglichen Lernen in der Kombiklasse kommt es im Sinne eines Spiralcurriculums für die älteren Kinder zu aktiven Wiederholungsprozessen und so zu einer Vertiefung der Inhalte. Für die jüngeren entsteht ein Ausblick auf die kommenden Inhalte. Die Transparenz über Lerninhalte wird den Schülerinnen und Schülern schon zu Beginn eines jeden Lernprozesses immer wieder verdeutlicht. Jüngere Schüler schauen auf das, was die älteren lernen, freuen sich darauf, auch endlich in diese Thematik einsteigen zu dürfen und erkennen, dass sie auf dem Weg zu solchen Themen sind. Ihnen wird klar, dass sie Grundlagen und Grundvoraussetzungen des jeweiligen fachlichen Lernens erwerben.

Sprachliche Anforderungen

Die älteren Kinder sind in der Kommunikation mit den jüngeren gefordert, das bereits Gelernte durch Erklärungen darzustellen. Es besteht eine real vorhandene Notwendigkeit treffend zu formulieren. Teil dieser natürlichen Interaktion ist auch das direkte feed-back der jüngeren Mitschüler, die Verständnis bzw. Unverständnis rückmelden, oder Fragen stellen, die zu weiteren Erklärungen herausfordern. Die Kinder erfahren die direkte Wirksamkeit ihrer sprachlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten

Natürliche Akzeptanz untereinander

Die in der Kombiklasse entstehenden sozialen Strukturen sind auf dem o.a. Hintergrund von gegenseitiger Akzeptanz und Unterstützung beim täglichen Lernen geprägt. Durch die von den älteren Kindern übernommene Verantwortung ist der Fokus auf diese Form von klasseninternen Rollen gelenkt. Auch auf diese Weise erfahren Kinder mit Förderbedarf eine Ich-Stärkung. Der Effekt für das Klassenklima insgesamt ist: weniger Konkurrenz, weniger Streit.

Durchlässigkeit

Kinder sollen den eigenen Möglichkeiten entsprechend in ihrem Lernen voranschreiten. Dabei ist es denkbar, in einem Fach gegenüber den Anforderungen schon sehr weit fortzuschreiten, im anderen Fach jedoch noch grundlegende Förderungen zu erhalten. Das Lernen im jahrgangsgemischten Unterricht bietet dafür die notwendige Durchlässigkeit. Kinder unterschiedlicher Lernstufen finden sich altersunabhängig in Lerngruppen zusammen. Kein Kind ist durch seine besondere Lernsituation isoliert, wie es in jahrgangshomogenen Gruppen immer wieder vorkommt.

Schuleingangsphase

Wie in § 11, Abs.3, SchulG vorgesehen, ist es für ein Kind mit entsprechender Voraussetzung möglich, die Schuleingangsphase in einem Jahr zu durchlaufen. Dazu verbleibt es in der Klasse und kann hier dem Lernstand seines Jahrganges entsprechend weiter voraus arbeiten. Es verbleibt bis zum Ende ihrer Grundschulzeit in seiner Lerngruppe. Kinder, die noch zusätzliche Hilfen und mehr Zeit zum Lernen benötigen, erhalten die Möglichkeit, drei Jahre in der Eingangsphase zu verbleiben um die notwendigen Lernfortschritte in der für sie notwendigen Zeit zu erzielen. Auch sie können in der vertrauten Lernumgebung verbleiben und hier ihrem Lernstand entsprechend arbeiten. Das Kombimodell bietet den Vorteil, dass die Chancen der flexiblen Schuleingangsphase genutzt werden können, ohne dass die vertraute Umgebung verlassen werden muss.

Zur Organisation des Unterrichts

Es gibt Themenkomplexe, an denen ältere und jüngere Kinder und Kinder mit verschiedenem Förderbedarf gemeinsam arbeiten, jeder auf seinem Niveau mit eigenen Lernzielen.

Solche komplexen Phasen des gemeinsamen Lernens werden von Blöcken des individuellen, selbstständigen Lernens, in denen jahrgangs­spezifisch gearbeitet wird, abgelöst.

Individualisiertes Lernen wird auch durch Unterrichtseinheiten mit Teilgruppen ermöglicht:  während eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern mit einem Helfer- und Kontrollsystem still für sich arbeitet, erarbeitet die andere Teilgruppe mit der Lehrerin z.B. eine thematische Einführung. Immer findet am Ende einer jeden Arbeitsphase eine gemeinsame Reflektion statt, in der der Lern­zuwachs und Lernstand verbalisiert oder präsentiert wird.

 

Perspektiven für die Unterrichtsentwicklung

Die Unterrichtsentwicklung betrachtet immer die Pole des gemeinsamen Lernens an niveaudifferenzierten Themen und das individuelle Lernen an Themen, die für den einzelnen Jahrgang oder das einzelne Kind bedeutsam sind. Besonders das Methodentraining im Sinne „Das Lernen lernen“ braucht einen festen Platz in der Unterrichtsarbeit. Grundlegende Lern- und Arbeitsmethoden werden regelmäßig eingeübt. Spezielle Methoden werden in einer Trainingsspirale erarbeitet und reflektiert. Auch die Arbeit mit den Teilarbeitsplänen im Bereich des Mathematikunterrichts mit individualisierten Lernzielkontrollen unterstützt besonders  - aufgrund der Spannbreite der Lernausgangslagen mit Einführungsphasen und Selbstkontroll- und Helfersystemen -  das individuelle Arbeiten.

Die Professionalität der Lehrkräfte, die in den Kombiklassen unterrichten, muss deutlich hoch sein. Dadurch, dass alle zwei Jahre gleiche Lerninhalte anstehen, haben die Lehrkräfte einen guten Überblick über Lernziele und erkennen Lernhemmnisse und – schwierigkeiten bereits weit im Vorfeld immer bewusster. Alle zwei Jahre erleben sie die Einschulung und den Schulanfang von neuen Erstklässlern. Durch den sich schnell wiederholenden Anfangsunterricht greifen die Lehrkräfte schnell und effektiv auf bisherige Erfahrungen zurück und entwickeln Umsetzungen neu und weiter. Auch der alle zwei Jahre stattfindende Prozess des Schulübergangs kann kompetent und zielgerichtet begleitet werden, da der zeitliche Abstand kurz ist. Hinzu kommt, dass auch in jeder Kombiklasse Kinder sind, die ein Lernniveau zwischen einzelnen Jahrgängen haben. Auch hier erhalten Lehrkräfte einen genauen Überblick über Lerninhalte und Lernschritte und können schnell Förderungen und Unterstützungen anbieten. Die Entwicklung der Teamarbeit und eine weitere Professionalisierung der Kolleginnen und Kollegen wird bei den Lehrkräften, die in den Kombiklassen arbeiten, selbstverständlich praktiziert.